Sorge um die Qualität der Pflege
Wilhelm Priesmeier besuchte Diakonie-Altenheim
Siebenbürgen in Osterode
OSTERODE, 10.9.2009. Zu viel Bürokratie
und Dumpinglöhne in der Pflege machen den Altenheimen zu schaffen. Diese
befürchten, dass die Qualität in der Altenpflege auf Dauer nicht zu halten ist,
wenn die Pflegesätze nicht deutlich angehoben werden. Gestern besuchte Wilhelm
Priesmeier das Altenheim Siebenbürgen in Osterode, das einen freien
Trägerverein hat, der unter dem Dach der Evangelischen Diakonie steht.
Foto K.H.Bleß.
Die Pflicht, die Pflege genau zu dokumentieren, hatte
eigentlich zum Ziel, die Qualität zu steigern. Doch da die Pflegekräfte mit der
Dokumentation sehr viel Zeit verbringen müssen, fehlt ihnen für die eigentliche
Arbeit die Zeit. So müssen teilweise Gespräche mit den Senioren in die Freizeit
verschoben werden. Ein Abbau der Bürokratie würde der Zeit, die für die Pflege
zur Verfügung steht, zugute kommen, hörte der Bundestagsabgeordnete, dem das
Problem nicht ganz fremd ist.
Der zweite Punkt sind die Löhne. Da Einrichtungen unter dem
Dach der Diakonie ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Tariflöhne zahlen,
einige private Konkurrenzunternehmen aber deutlich weniger, kommt es zu
Wettbewerbsverzerrungen. Weil außerdem die Pflegesätze nach dem Durchschnitt
festgelegt werden, sind die Sätze inzwischen nicht mehr auskömmlich. „In
Niedersachsen haben wir die niedrigsten Pflegesätze in ganz Deutschland“,
klagte die Leiterin des Altenheims Siebenbürgen, Karin Powering. „Man spart die
Wohlfahrtsverbände tot.“
Priesmeier hörte genau zu, obwohl ihm das Problem aus
ähnlichen Gesprächen nicht neu war. Er riet den Verbänden dringend, sich
gemeinsam dafür stark zu machen, dass der Gesetzgeber die Tariflöhne für
allgemeinverbindlich erklärt. Dann sei eine Untergrenze für die Löhne
festgeschrieben, was sich auch auf die Pflegesätze auswirken werde. Auch wenn
damit die Pflegekosten stiegen, sollte man damit leben können. „Wir müssen uns
als Gesellschaft fragen: Was ist uns die Pflege wert?“, sagte er. Die
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Altenpflege hätten eine schwierige und
aufreibende Arbeit, von der man auch eine hohe Qualität erwarte. Deshalb müsse
man sie auch entsprechend bezahlen. In den nächsten Jahren erwarte man in
Deutschland 200 000 zusätzliche Arbeitsplätze in der Pflege. Die seien nur zu
besetzen, wenn die Löhne den Anforderungen entsprächen.
Foto K.H.Bleß.
Für den Abbau der Bürokratie, insbesondere der
Dokumentationspflicht, sieht Priesmeier die Notwendigkeit, bremste aber zu hohe
Erwartungen. Denn die Bürokratie und die verschiedenen Interessen dahinter
hätten ein „Eigenleben“ entwickelt, das man nur schwer durchkreuzen könne. Er
nahm die Anregung auf, dass für die Aufsicht von Pflegeeinrichtungen nur eine Behörde
zuständig sein sollte. Dann würde viel an Schreibkram entfallen.
Foto K.H.Bleß.
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