Sozialdemokratische Politik für Verbraucherinnen
und Verbraucher
Ob Verbraucherinformationsgesetz, Reform des
Versicherungsvertragsrechts oder die Kennzeichnung „ohne Gentechnik“: Die
verbraucherpolitischen Reformprojekte der letzten Jahre tragen eindeutig unsere
sozialdemokratische Handschrift. Die aktuellen Diskussionen über die
Falschberatung bei Finanzprodukten oder den Schutz von Verbraucherdaten zeigen,
dass sozialdemokratische Lösungsansätze mehr denn je gefragt sind.
In mehr als zehn Jahren sozialdemokratischer
Regierungsverantwortung haben wir die Rechte der Verbraucherinnen und
Verbraucher weiter gestärkt und für mehr Transparenz und Sicherheit auf den oft
unübersichtlichen Märkten gesorgt.
Für mich persönlich bedeutet moderne
Verbraucherpolitik: Genau hinsehen, wo der Staat mit sinnvoller Regulierung
Leitplanken einziehen muss, wo er für mehr Transparenz sorgen soll und wo er
auf Marktkräfte und die Zivilgesellschaft vertrauen kann.
Verbraucherinnen und Verbraucher gestalten mit ihren
Kaufentscheidungen nicht nur die eigene Umwelt und die eigenen
Lebensbedingungen mit, sondern indirekt auch die anderer Menschen.
Informationen über Beschaffenheit, Herkunft und Produktionsbedingungen sind oft
lückenhaft. Aber: Es fehlen oft Geld und Zeit oder es ist schlicht zu
kompliziert oder aufwändig, bei der Fülle täglich zu treffender Entscheidungen
alle Alternativen sorgfältig abzuwägen.
Offene Märkte mit hohem Warenaustausch und starker
Arbeitsteilung bringen Wohlstand, Beschäftigung und ein breites Warenangebot.
Sie bergen aber auch die Gefahr, dass Konsumenten in vielfältiger Weise übervorteilt
werden.
Hier setzt sozialdemokratische Verbraucherpolitik
an: Die gleichberechtigte Teilhabe aller muss gewährleistet werden, denn die Möglichkeiten
und Chancen freier Märkte stehen allen offen. Sicherheit, Transparenz und Qualität
– das sind die Zielmarken sozialdemokratischer Verbraucherpolitik, die wir in
vielen Gesetzen und Vorhaben umgesetzt haben.
Mehr Sicherheit im Alltag
Sozialdemokratische Verbraucherpolitik steht für
einen Gleichklang aus stärken und schützen: Die Stärkung des bewussten
Verbrauchers muss begleitet sein durch Schutz vor Übervorteilung, illegalen
Geschäftspraktiken und Gesundheitsgefährdung. Vorsorge hat für uns Vorrang. Die
Menschen sollen darauf vertrauen können, dass sie mit ihrem Wissen und gesundem
Menschenverstand sicher durchs Leben kommen. Man muss sich sicher sein können,
dass Nahrungsmittel gesund sind und der Toaster die Wohnung nicht in Brand
steckt. Gesetzliche Reglungen für den Einsatz von Pflanzenschutzmittel, der Gentechnik
aber auch die DIN-Normen stellen sicher, dass Mensch, Tier und Umwelt nicht
geschädigt werden. Die Benutzung des Handys treibt unsere Kinder nicht in die
Schuldenfalle. Es gibt Mindeststandards für Versicherungs- und
Finanzvermittler, damit Grundregeln eingehalten werden.
Seit 1998 haben sozialdemokratisch geführte
Regierungen daher beispielsweise ein
strenges Gentechnikgesetz sowie ein einheitliches
Lebens- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB) geschaffen. Ebenso wurde
das Pflanzenschutzrecht reformiert, die Spielzeugrichtlinie novelliert und das
Versicherungsvertragsgesetz sowie das Finanzmarktrichtlinienumsetzungsgesetz
verabschiedet.
Mehr Transparenz für selbstbestimmte Verbraucher und einen nachhaltigen Konsum
Die SPD ist für Vielfalt und Wahlfreiheit, für
eigene Verantwortung und gegen Bevormundung. Wir wollen Verbraucher und
Verbraucherinnen in die Lage versetzen, selbst zu entscheiden, was für sie
selbst und ihre Umwelt gut ist. Transparenz ist daher ein Leitmotiv
sozialdemokratischer Verbraucherpolitik.

Wir haben eine kurze,
verständliche Produktinformation für Versicherungen verabschiedet und dies auch
für Finanzprodukte vorgeschlagen. Wir haben das
„Biosiegel“ geschaffen, das mittlerweile auf knapp 55.000 Produkten
zu finden ist.

Seit dem 10. August 2009 gibt es in Deutschland ein
einheitliches Logo für die freiwillige
„ohne-Gentechnik“-Kennzeichnung.
Diese Kennzeichnung haben wir gegen heftigen Widerstand der CDU und der
Landwirtschaftslobby durchgesetzt.
Die Kennzeichnung von Produkten und Dienstleistungen
muss jedoch weiter verbessert werden: Wir wollen eine einfache und verständliche
„Ampelkennzeichnung“ für Nährstoffe
in Lebensmitteln, um Eltern in die Lage zu versetzen, auf einen Blick die richtige
Pizza für ihre Kinder auszuwählen.

Konsumenten wollen wissen, wie es
um die Produktqualität bestellt ist. Sie reagieren sehr empfindlich, wenn
Vertrauen missbraucht und ihnen z. B. Gammelfleisch als Frischfleisch verkauft
wird. Manche Krise einer Branche hätte vermieden werden können, wenn mehr
Transparenz über bereits aufgedeckte Missstände hergestellt worden wäre.
Die SPD hat deshalb 2007 das
Verbraucherinformations-gesetz (VIG)
durchgesetzt: Verbraucherinnen und Verbraucher haben einen Rechtsanspruch auf
Informationen von Behörden. Die Behörden wiederum sollen von sich aus
Erkenntnisse über mangelhafte Qualitäten in Lebens- und Futtermitteln
veröffentlichen. Noch nicht alle Behörden und vor allem auch nicht die
Unternehmen haben realisiert, welche Chancen für die Stabilität und Entwicklung
von Märkten darin bestehen, die „schwarzen Schafe“ von denjenigen zu trennen,
die die Regeln einhalten oder sogar vorbildlich agieren. Die CDU/CSU verteidigt
sogar die „Betriebsgeheimnisse“ von Missetätern und lehnt Regelungen zum Schutz
von Arbeitnehmern ab, die die Öffentlichkeit vor kriminellen Machenschaften
ihrer Arbeitgeber gewarnt haben.
Keine Übervorteilung – Unterstützung bei der Durchsetzung von
Verbraucherrechten
„Gute“ Gesetze alleine reichen nicht aus.
Entscheidend ist auch, ob die Verbraucherinnen und Verbraucher tatsächlich zu
ihrem Recht kommen. Telefontarifdschungel, Altersvorsorge, gesunde Ernährung:
Verbraucherinnen und Verbraucher müssen heute immer mehr Informationen
verarbeiten und immer schneller Entscheidungen treffen. In stark
liberalisierten Märkten verlieren sie schnell den Überblick und fallen daher
besonders leicht auf unlautere Geschäftspraktiken herein.
Sozialdemokratische Verbraucherpolitik schafft
rechtliche Möglichkeiten, schafft die Voraussetzungen für funktionierenden
Wettbewerb und bietet ökonomische Anreize für einen fairen Wettbewerb. Wir
wollen deshalb beispielsweise mit verbrieften Fahrgastrechten Anreize setzen,
dass Züge pünktlich sind. Durch unabhängige Schlichtungsstellen sollen Kunden
schnell und unbürokratisch zu ihrem Recht kommen.
Staatliche Aufsicht und privates Vorgehen gegen
unlautere Praktiken reichen aber nicht aus: Verbraucherorganisationen wie zum
Beispiel der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) sollen als
„Marktwächter“ den Markt beobachten,
aus Verbrauchersicht bewerten, Regulierungsdefizite (z.B. im Hinblick auf
Markttransparenz oder Vertriebspraktiken) dokumentieren und dagegen mit
Abmahnungen, Klagen oder Hinweisen an die Regulierungsbehörden vorgehen können.
Verbraucherorganisationen brauchen dafür nicht nur ausreichende personelle und
finanzielle Kapazitäten, sondern auch ausreichende rechtliche Möglichkeiten.
Dafür setze ich mich ein!