(Beifall bei der SPD)
– Danke für den Beifall.
Ich kann mich des
Eindrucks nicht erwehren, dass dieser Haushalt in seinen Ansätzen in
wesentlichen Teilen von Klientelinteressen bestimmt ist.
(Georg Schirmbeck [CDU/CSU]: Das ist ja unglaublich!)
Ich habe auch den Eindruck, dass die Ministerin sich gern
vom Deutschen Bauernverband umarmen lässt.
(Georg Schirmbeck [CDU/CSU]: Nein, das stimmt nicht!)
Da kann man vielleicht ein bisschen weich liegen und kann
Konfrontationen, die notwendig wären und die man auch durchstehen müsste, aus
dem Weg gehen.
(Zuruf von der CDU/CSU: Nur kein Neid!)
Aber ich kann dazu nur sagen: In diesem Zusammenhang ist
der Deutsche Bauernverband sicherlich der falsche
Liebhaber. Er ist an Geld
interessiert, und wenn er das hat, dann macht er sich davon, so wie es ein
Heiratsschwindler immer macht.
(Beifall bei der SPD – Georg Schirmbeck [CDU/CSU]: Willst
du sagen, dass der Sonnleitner ein Heiratsschwindler ist?)
– Nein. Der tritt bald ab; insofern ist das nicht die
Fragestellung für die Zukunft.
Es ist wichtig, dass
wir auf die Entwicklung des ländlichen Raums ein besonderes Schwergewicht
legen. Da hätte ich
für die Finanzierung ein bisschen mehr erwartet. Ist die
Ministerin da? – Doch, Gott sei Dank, sie ist da.
(Ilse Aigner, Bundesministerin: Natürlich bin ich da!)
– Hervorragend. Dann kann ich Sie auch persönlich
ansprechen. – Sie waren am Freitag letzter Woche auf dem Kreisbauerntag des
Bayerischen Bauernverbands in Königsdorf.
(Ilse Aigner, Bundesministerin: Wissen Sie, wo das ist?)
– Ich gehe einmal davon aus, dass das in Ihrem Wahlkreis
ist. – Ich freue mich natürlich, dass Sie da entsprechende Aussagen zur
deutschen Agrarpolitik getroffen haben. Der Vizekreisobmann, der Herr Fichtner,
hat Sie ganz konkret
mit den Problemen des ländlichen Raums konfrontiert. Ich
zitiere einmal:
Der ländliche Raum blutet aus, die Betriebe geben auf, die
Infrastruktur wie beispielsweise die ärztliche Versorgung
auf dem Land bricht
weg.
Ihre Antwort
darauf: Die Regionen müssen gestärkt werden. Die Wertschöpfung muss in der Region
bleiben.
Wohl wahr! Aber an
Ihrem Haushalt kann ich nicht erkennen, dass Sie darauf einen Schwerpunkt
legen. Das Gegenteil
ist der Fall. Sie haben die Gemeinschaftsaufgabe als
gestaltendes Instrument für die Politik im ländlichen Raum schon 2010 im Vergleich
zu 2009 entscheidend beschnitten, nämlich um 85 Millionen Euro; das sind 15
Prozent. Wir als Sozialdemokraten halten dagegen, weil uns der ländliche Raum
in besonderer Weise am Herzen liegt. Wir wollen den ländlichen Raum
zielgerichtet und konsequent entwickeln. Dafür bedarf es natürlich einer
entsprechenden Ausstattung
im Haushalt. Das bedeutet: nicht Kürzungen
vornehmen, sondern Kürzungen rückgängig machen. Deshalb fordern
wir die
Erhöhung der Mittel um 85 Millionen Euro. Das haben wir in zwei Anträgen
gefordert. Diese Anträge sind von
Ihnen ohne weitere Debatte gnadenlos
niedergestimmt worden.
(Georg Schirmbeck [CDU/CSU]: Wir sind christlich-liberal!
Wir sind nicht gnadenlos!)
Das zeigt Ihre Position und Ihr Verhältnis zum ländlichen
Raum.
(Beifall bei der SPD)
In diesem
Zusammenhang mache ich noch einmal darauf aufmerksam, wo Sie die zentralen
finanziellen Spielräume
in den letzten Jahren verspielt haben. Ich erinnere an
die 750 Millionen Euro, die Sie einfach aus dem Fenster geworfen haben: in wesentlichen
Bereichen unstrukturiert, ohne entsprechendes Konzept, einfach konsumtiv
verausgabt.
Damit hätte man Politik auch für die Zukunft gestalten können. Mit
diesen Ressourcen wären wir in der Lage gewesen,
ein innovatives Konzept zur
Entwicklung des ländlichen Raums zu erarbeiten und politisch umzusetzen. Aber
das haben
Sie nicht getan.
Im
Haushaltsentwurf findet sich im Gegenzug ein läppisches Trostpflaster von 6
Millionen Euro für Projekte:
„LandZukunft“. Wohl wahr! Wichtig ist das. Aber
das bietet bestimmt gute Gelegenheiten, um sich bei der Vergabe
vor Ort
gebührend feiern zu lassen.
(Georg Schirmbeck [CDU/CSU]: Das gehört auch dazu! Man
muss auch mal gelobt werden! Lob kann man ohne Ende ertragen!)
Ich will Ihnen da nichts unterstellen, aber das ist weiß
Gott keine strukturierte Politik. Der Ansatz ist richtig, aber in der
Konsequenz viel zu gering.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD)
Greifen Sie doch
endlich einmal die Kritik der OECD an der Politik und an dem
Entwicklungskonzept für den ländlichen
Raum in Deutschland auf! Stellen Sie
sich doch einmal der Aufgabe, und sagen Sie, wie Sie das angehen möchten:
auch
im Hinblick auf 2020, auch im Hinblick auf die Kofinanzierungsfunktion der
Bundesländer, die aufgrund der Schuldenbremse weitestgehend infrage gestellt
ist. Ich kann da von Ihrer Seite kein klares Konzept erkennen.
(Beifall der Abg. Kerstin Tack [SPD])
Meine Antwort
darauf lautet: weniger Flächenprämie, mehr Geld für den ländlichen Raum und
mehr Engagement des Bundes, um in diesen Bereichen die Politik gestaltungsfähig
zu halten. Sonst läuft die Politik für den ländlichen Raum
in Zukunft ins
Leere, und wir werden am Ende vor den Trümmern der Entwicklung stehen und uns
vielleicht fragen,
was wir hätten anders machen müssen.
Wir als Sozialdemokraten
plädieren für eine integrierte Entwicklungspolitik, die alle Fördertöpfe
berücksichtigt.
Wir plädieren für ein Konzept, das regionale Entwicklungsfonds
beinhaltet und bei dem aus allen Töpfen synergistisch gefördert werden kann,
damit die an sich bescheidenen vorhandenen finanziellen Ressourcen optimal
genutzt werden können. Das ist eine vernünftige Politik für den ländlichen
Raum. Darum fordern wir die Weiterentwicklung der GAK
zu einer
Gemeinschaftsaufgabe für den ländlichen Raum. Dazu wird es vielleicht in zwei
Jahren Gelegenheit geben,
wenn wir Sozialdemokraten hoffentlich wieder
gestaltend an Koalitionsverhandlungen beteiligt sind.
(Georg Schirmbeck [CDU/CSU]: Na!)
Ich sehe das voraus. Dann ist Zeit und Gelegenheit,
Ballast abzuwerfen, neue Konzepte zu entwerfen und diese
Konzepte auch
umzusetzen, im Sinne des ländlichen Raums und vor allen Dingen für die Menschen
im ländlichen
Raum.
(Beifall bei der SPD)
Wenn man einmal
ein Fazit Ihrer bisherigen Politik – nicht nur der Politik, die aus diesem
Haushalt spricht, sondern
Ihrer Politik insgesamt – ziehen darf, dann lautet
dieses: Schwarz-gelbe Agrarpolitik lässt in der Regel weitestgehend jeglichen
Gestaltungsanspruch vermissen. Schwarz-gelbe Agrarpolitik bleibt häufig
Klientelpolitik. Schwarz-gelbe
Agrarpolitik für den ländlichen Raum findet so
gut wie gar nicht statt.
Vielen Dank.