Bienen sind sicherlich keine Haustiere, wie in ihrem Antrag beschrieben, sondern entsprechend ihrer ökonomischen Bedeutung das drittwichtigste landwirtschaftliche Nutztier. Ihr landwirtschaftlicher Produktionswert macht durchaus mehrere Milliarde Euro aus, das sollten wir in dieser Debatte nicht vergessen.
Ich darf mich zuerst für die hervorragende Arbeit aller Beteiligten innerhalb des Deutschen Bienenmonitorings bedanken. Ganz besonders möchte ich Herr Dr. Rosenkranz danken, der die Interessen der beteiligten Imkerverbände, der deutschen Bieneninstitute, der Industrie und der landwirtschaftlichen Berufsverbände im Rahmen dieses Verbundprojektes so erfolgreich koordiniert hat, dass die Ergebnisse des Bienenmonitorings nun auch über die Landesgrenzen hinaus europaweit Beachtung finden. Sie liefern uns einen fundierten Überblick über den Status quo der deutschen Bienenpopulationen. Die SPD hat dies zum Anlass genommen, die Projektergebnisse mit Praktikern, Vertretern aus Verbänden, der Beratung sowie der Forschung zu erörtern. Dazu haben wir vor zwei Wochen ein sehr intensives Fachgespräch in Berlin geführt.
Mir hat das Fachgespräch erneut verdeutlicht, dass, wenn wir den Interessen der Bienen und der Imker nicht ausreichend Rechnung tragen, langfristig eine intakte Umwelt und ein Großteil der landwirtschaftlichen Produktion gefährden.
Die SPD nimmt die Belange und Sorgen der Imker und Bienenzüchter ernst und will ihre Interessen in der Politik für die Entwicklung der ländlichen Räume stärker berücksichtigten.
Damit man weiß, wo in der Praxis der Schuh drückt, muss man aber auch den Dialog mit den Betroffenen aktiv suchen und vorantreiben. Das hat die SPD getan. Und ich sage Ihnen: Von radikalen Stimmungen oder gar offenen Vorbehalte in der Imkerschaft gegenüber unserer politischen Arbeit habe ich nichts gespürt! Ganz im Gegenteil: Aufgeschlossen, offen und intensiv, manchmal auch sehr kontrovers, haben wir einen Tag lang über die verschiedenen Aspekte und Herausforderungen der Imkerei und Bienenzucht gesprochen. Meinen Kollegen von der Union rate ich dringend, sich diesem erforderlichen und für beide Seiten sehr lehrreichen Dialog nicht weiter zu verschließen. Ich hoffe, dass auch Sie zukünftig ein offeneres Ohr haben - auch wenn bisher wenige Imker unter dem Schirm des Deutschen Bauernverbands geschlüpft sind.
Klar geworden ist: Wir benötigen mehr praxisorientierte Forschung! Die bisherigen Forschungsschwerpunkte sind auszubauen. Dabei sind die Herausforderungen für die Imkerschaft aber weitaus vielfältiger als uns die Kolleginnen und Kollegen der FDP in ihrem Antrag glauben machen wollen.
Wir haben eine Vielzahl an Fragestellungen, die die moderne Landwirtschaft betreffen. Die Bienenforschung kann und sollte uns beispielsweise Fragen nach den Auswirkungen pflanzlicher Neuzüchtungen auf Bienen beantworten. Auch die Fragen nach den Möglichkeiten des GVO-Einsatzes und ihrer Auswirkungen sollten wir dabei nicht ausklammern und unter Berücksichtigung der wissenschaftlichen Erkenntnisse offen diskutieren. Wir müssen ja auch feststellen, dass gerade ökologische Fragestellungen für die an der Imkerei Interessierten und Neuimker besonders wichtig sind. Der Anbau von GVO hat bei den Imkern zu erheblichen Unsicherheiten geführt. Hier ist es meine feste Überzeugung, dass wir auch durch die Definition der Guten Fachlichen Praxis beim Anbau von GVO auf die berechtigten Fragen und Sorgen der Imker eine Antwort geben müssen.
Mich als Tierarzt haben Fragen rund um Bienenkrankheiten auch in meiner langjährigen Praxistätigkeit begleitet. Für mich ist eine breitere und intensivere Ursachenforschung bei Bienenkrankheiten das Gebot der Stunde. Forschung darf sich nicht nur auf die Varroosa-Problematik beschränken. Zwar stehen die Varroose-Bekämpfung auf biologischer Basis und die Erforschung der Zusammenhänge zwischen Varroose und viralen Sekundärinfektionen am Anfang und muss selbstverständlich ausgebaut werden. Aber dabei dürfen wir die anderen Problembereiche nicht vernachlässigen. Genannt sei in diesem Zusammenhang die Suche nach Alternativen zu den bisherigen Bekämpfungsmethoden des Feuerbrandes in Obstplantagen. Das durch den Wirkstoff Clothianidin ausgelöste Bienensterben entlang der Rheinschiene hat gezeigt, dass wir auch die Folgewirkungen des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln in der Risikobewertung stärker berücksichtigen sollten.
Fehler bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln dürfen nicht auf Kosten der Imkerei gehen. Im Zweifelsfall hat das Vorsorgeprinzip zu gelten. Hier setzt sich die SPD für mehr Aufmerksamkeit sowohl in der Zulassung als auch bei Kontrolle durch die Länder ein.
Wir müssen uns vor Augen führen, dass wir in vielen Punkten noch viel zu wenig über die Auswirkungen verschiedener Umwelteinflüsse auf die Gesundheit und die Vitalität der Bienen wissen. Bienen sind auch ein Indikator für den Zustand unserer Umwelt!
Wenn wir vielfältige und blühende Ackerkulturen zunehmend durch Maismonokulturen ersetzen, dürfen wir uns nicht wundern, dass nicht nur die Imker und ihre Bienenvölker Probleme bekommen. Hier könnte eine breiter aufgestellte Bienenforschung beispielsweise wichtige Impulse für die Entwicklung umweltverträglicher Biogas-Konzepte geben.
Der Deutsche Imkerbund hat ein ausführliches Positionspapier zur zukünftigen Ausrichtung der Forschung vorgelegt. Dieses bildet eine sehr gute Basis, um die Diskussion voranzutreiben.
Aber, und das muss an dieser Stelle betont werden, ein intelligenter Mitteleinsatz und verstärkte Kooperationen sind erforderlich. Zukünftig werden wir nur durch eine stärkere Zusammenarbeit innerhalb der gesamten Forschungskette gewährleisten, dass eine praxisorientierte Forschung erfolgen kann. Die SPD bekennt sich ausdrücklich zur Verantwortung des Bundes. Daher unterstützen wir auch die Finanzierung von Forschungsprojekten aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.
Um den Praxisbezug sicherzustellen, sollten die Vertreter der Imker in jedem Fall frühzeitig in die Entwicklung des Forschungsdesigns einbezogen werden. Praktiker sollten dann als gleichberechtigter Partner in alle Phasen der Forschungsprojekte einbezogen werden. Ein Gradmesser für erfolgreiche Projektarbeit muss auch das Maß des Ergebnistransfers in die Praxis sein, denn nur auf diesem Weg lässt sich die Arbeit der Forschungsinstitute dauerhaft legitimieren.
Liebe Kollegin Happach-Kasan,
Sie erwähnen in ihrem Antrag zu Recht die Problematik des Maiswurzelbohrers. Bezüglich seiner Ausbreitung und Bekämpfung in Deutschland möchte ich folgendes anmerken: Die zuständigen Landesbehörden haben bereits sehr drastische Maßnahmen ergriffen, wie Sie sicherlich wissen. Gerade die Auflagen bezüglich der Einhaltung einer ordnungsgemäßen Fruchtfolge stoßen aber bei einigen Landwirten auf erhebliche Vorbehalte wenn nicht gar auf Widerstand.
Das verstehe ich nicht. Es wird seitens des Berufsstandes immer wieder darauf verwiesen, dass die Gute fachliche Praxis von den Landwirten praktiziert wird. Aber stark eingeengte Fruchtfolgen bergen bekanntlich ackerbauliche Gefahren. Diese zu beachten, gehört auch zu den Grundsätzen einer langfristigen und nachhaltigen Betriebsführung. Es kann nicht sein, dass die Ordnungsbehörden in Bayern und Baden-Württemberg diese einzelbetrieblichen Fehlentwicklungen auf dem Verwaltungswege beheben müssen und sich gleichzeitig anhören müssen, wie stark sie in die unternehmerische Entscheidungsfreiheit des einzelnen Landwirts eingreifen. Hier setze ich in Zukunft auf mehr Vernunft und Beachtung der ackerbaulichen Erfahrungen.
In diesem Zusammenhang muss ich neben einem Tadel natürlich auch ein Lob einfließen lassen. In vielen Regionen Deutschlands gibt es hervorragende Kooperationen zwischen Imkern und Landwirtschafs- beziehungsweise Obstbaubetrieben. Diese, zum Teil langjährige Zusammenarbeit, bildet eine solide Grundlage, um die zukünftige Herausforderungen gemeinsam anzugehen. Daher unterstützt die SPD den Ausbau regionaler Kooperationen in diesem Bereich.
Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Ein Hauptaugenmerk müssen wir selbstverständlich auf die Aus- und Weiterbildung der Hobby- und Berufsimker legen. Das können wir nicht einfach lapidar in einem Halbsatz abhandeln, wie es die FDP in Ihrem Antrag getan hat. Gerade die gesetzlichen Vorgaben für sichere Lebensmittel haben die Anforderungen an die Honiggewinnung in den letzten Jahren erheblich gesteigert. Als Lebensmittelproduzenten müssen sich Hobby- und Berufsimker stetig weiterqualifizieren und sind auf entsprechende Aus- und Weiterbildungsangebote angewiesen.
Die SPD unterstützt eine stärkere Verzahnung der vorhandenen Strukturen der Bienenzuchtberatung, der Imkerberatung und -schulung sowie der Weiterbildung. Dazu ist aber auch erforderlich, dass die Bundesländer ihren personellen wie finanziellen Verpflichtungen gegenüber diesem wichtigen landwirtschaftlichen Produktionszweig stärker als bisher nachkommen.
Was die Berufsqualifikation angeht - hier sind sicherlich noch einige Veränderungen wünschenswert. Bisher gibt es für Imker keine eigenständige Berufsausbildung. Ihre Ausbildung ist in die des Tierwirts integriert. Das halte ich angesichts der vielfältigen Anforderungen für nicht mehr zeitgemäß. Daher unterstütze ich die Ausarbeitung einheitlicher nationaler Standards für eine mehrjährige Imkerausbildung. Vielleicht können die Imkerverbände eine Prüfung für Hobbyimker entwickeln und diese – analog zur Sportfischerprüfung – zukünftig in Eigenregie durchführen? Das wird langfristig sicherlich das Produktionsniveau steigern und den Gesundheitsstatus in der Hobbyimkerei fördern.
Liebe Kollegin Happach-Kasan!
Sie sprechen in einem Nebensatz die Überalterung des Berufsstandes an. Auch dies ist eine besondere Herausforderung für den Berufstand. Wenn wir in Deutschland zukünftig eine flächendeckende Imkerei erhalten wollen, muss in erster Linie die Nachwuchsförderung verstärkt werden. Die deutschen Imker und Bienenzüchter sind redlich bemüht, Menschen für die Bienen zu begeistern. In einigen Regionen stoßen sie aber auf erhebliche Probleme, die sie alleine mit Engagement und Ehrenamt nicht mehr bewältigen können.
Die SPD unterstützt die Imkerverbände darin, die Nachwuchsförderung auszubauen. Die Ansprache der an der Imkerei und Bienenzucht Interessierten muss aber heute auch den modernen Kommunikationsanforderungen genügen. Ich setze mich für den Aufbau eines bundesweiten internetbasierten Aus- und Weiterbildungsangebots ein. Ein entsprechendes E-Learning-Angebot sollten die Imkerverbände in Zusammenarbeit mit privaten und staatlichen Beratungseinrichtungen mittelfristig realisieren. Eine Kofinanzierung durch den Bund halte ich persönlich für äußerst sinnvoll. Insbesondere aus dem Topf für Modellvorhaben kann der Bund hier unterstützend tätig werden.
Sicherlich sind in erster Linie die Berufsverbände gefragt, die Imagewerbung des Berufsstandes zu professionalisieren. Nur so lässt sich das positive Bild in der Öffentlichkeit, was sich gerade auch in den letzen Jahren entwickelt hat, sinnvoll für die Nachwuchsarbeit nutzen. Ein modernes, buntes und positives Bild der Imkerei in der Öffentlichkeit sollte von einer bundesweiten Imagekampagne aufgegriffen werden. Ich wünsche mir, dass das BMELV eine solche Kampagne unterstützt, denn wir können dann auch gleichzeitig Informationen zu Chancen und Möglichkeiten der Berufsimkerei als Ausbildungsberuf transportieren.
Gute Aus- und Weiterbildung werden das Produktionsniveau steigern, davon bin ich überzeugt. Das ist in Deutschland auch dringend nötig. Bisher schöpfen die deutschen Imker das vorhandene Marktpotenzial nicht aus. Das hat viele Ursachen und lässt sich dauerhaft nur durch eine Vielzahl von Maßnahmen erhöhen. Dazu gehört eine klare Qualitätsorientierung in der Produktion, ein hohes Ausbildungsniveau der Hobby- wie auch Berufsimker und die Nutzung aller Marketinginstrumente, um das Qualitätsprodukt Honig noch besser zu positionieren.
Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Die SPD setzt sich für eine flächendeckende Imkerei ein. Nach dem Motto „Nicht alles überall, aber überall etwas!“
Dabei müssen wir den regionalen Gegebenheiten Rechung tragen.
Den FDP-Antrag lehnen wir ab, weil er im Forderungsteil der Komplexität der gegenwärtigen Fragestellungen, die im Einleitungstext angesprochen wurde, nicht gerecht wird
Die Interessen und Belange der Imkerei und Bienenzucht müssen auf allen Ebenen unserer Arbeit stärker berücksichtigt werden. Genau dafür wird sich die SPD weiter einsetzen.
Danke für Ihre Aufmerksamkeit!