Den Hauptschulabschluss nachholen
SPD-Politiker Dr. Wilhelm Priesmeier informierte sich in der Werk-statt-schule
OSTERODE, 05.09.2008. Wer einen Hauptschulabschluss nachholen möchte, ist bei der Werk-statt-schule an einer richtigen Adresse. In einer ehemaligen Wollwarenfabrik, einem Industriedenkmal in der Scheerenberger Straße, können sich 18- bis 25-Jährige in zehn Monaten auf die Abschlussprüfung vorbereiten lassen, die dann in der Neustädter Schule abgenommen wird.
Foto: Besuch der Werk-statt-schule. Foto Bleß.
Dr. Wilhelm Priesmeier (MdB) informierte sich jetzt in der Einrichtung über die praktischen Erfahrungen, die die Geschäftsführer Bernd Czigler und Werner Bührmann sowie Doris Gronwald (Projektleitung) und Susanne Wagener (Verwaltung) in Osterode machen. Zunächst müssen die Ausbilder die jungen Erwachsenen, die über das Job-Center vermittelt werden, zu motivieren und ihnen Perspektiven aufzuzeigen. Dann laufen parallel praktische Ausbildung in den Werkstätten und der theoretische Unterricht in den selbst eingerichteten Räumen. Auch Praktika in Betrieben gehören zu dem Jahr vor dem Abschluss.
„Von uns als Ausbilder ist eine hohe Qualifikation gefordert“, wenn wir den jungen Erwachsenen, die zu uns kommen, gerecht werden wollen“, sagte Geschäftsführer Czigler. Deshalb sei es nicht ganz unproblematisch, wenn solche Einrichtungen zur Vorbereitung auf den Hauptschulabschluss regelmäßig ausgeschrieben werden. Für die Arbeitsverwaltung müssten bei der Auswahl der Träger neben den laufenden Kosten die Qualität der Ausbildung und der hohe Personaleinsatz mehr Gewicht bekommen. Denn die persönliche Beziehung der Ausbilder zu den Auszubildenden sei gerade bei diesen jungen Leuten entscheidend wichtig. Viele pädagogische Ziele seien nur mit hohem Personaleinsatz zu erreichen.
In der Diskussion mit dem SPD-Bundespolitiker ging es auch um den Sinn, den Hauptschule heute noch hat, um die Chancen, die eine Ganztagsschule bietet, wenn sie denn auch entsprechend ausgestattet ist, und um Hilfen, um aus der Spirale der sozialhilfeabhängigen Karrieren herauszukommen. Eltern, die keine abgeschlossene Schulausbildung haben, benötigen bei der Erziehung ihrer Kinder oft auch Unterstützung und Rat, damit sie nicht die Fehler ihrer Eltern an ihre Kinder weitergeben. Wer es erlebt, dass man auch ohne Ausbildung mit staatlicher Unterstützung überleben kann, braucht Anreize, die motivieren, aus dem System der Abhängigkeit herauszukommen, waren sich die Gesprächspartner einig. Zudem sei Schule für viele Eltern auch zu teuer, wenn sie Schulbücher, Kopierkosten und Klassenfahrten für ihre Kinder finanzieren müssen. Deshalb dürften bestimmte Kosten erst gar nicht auf die Eltern zukommen. Es wäre besser, hier zu investieren, als das Kindergeld anzuheben.
Zum Abschluss gaben die Mitarbeiter der Werk-statt-schule SPD-Politiker Priesmeier mit auf den Weg, dass es mehr gezielte Ausbildungen für junge Frauen geben müsste. Kreistagsabgeordnete Marianne Niederheide hatte das Gespräch auf das Thema gebracht. Eine Werkstatt sei nicht für jede Frau geeignet, um praktisch zu arbeiten. Trotzdem sei es wichtig, ihnen eine Chance für einen Hauptschulabschluss zu bieten. Vor allem die Frauen seien es, die die Werte und soziale Kompetenz in der Familie weitergeben.
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