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Keine unendliche Geschichte
07.05.2006. Die Stallpflicht für Geflügel wird verlängert – allerdings nicht auf unbegrenzte Zeit. Dies beschloss am gestrigen Mittwoch der Nationale Krisenstab. Der Tierschutzbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Dr. Wilhelm Priesmeier, begrüßt diese Entscheidung: „Vorerst wird die Stallpflicht nur bis zum 12. Mai verlängert. Bis dahin müssen sich Bund und Länder über das weitere Vorgehen verständigen.“
Besonders wies Dr. Priesmeier in diesem Zusammenhang auf die Probleme von Freilandbetrieben und Hobbyhaltern hin: „Vor allem Gänse und Enten können nicht art- und tierschutzgerecht in geschlossenen Ställen gehalten werden. Wir brauchen eine durchdachte Strategie, um Freilandhaltung in unserem Land zu ermöglichen.“
Das Aufstallungsgebot bringt nicht nur Tierschutzprobleme mit sich, sondern hat auch gravierende wirtschaftliche Folgen. „Wenn die Stallpflicht über den 15. Mai hinaus gälte, dürften Eier aus Freilandbetrieben nicht mehr als solche vermarktet werden. Auch die Aufzucht und Mast von Enten und Gänsen wäre in Deutschland kaum mehr wirtschaftlich zu betreiben“, erklärte Dr. Priesmeier. „Wir haben uns auf EU-Ebene auf Marktstützungsprogramme verständigt. Diese erreichen jedoch keineswegs alle Betroffenen – zahlreiche Betriebe stehen wirtschaftlich mit dem Rücken an der Wand. Die Stallpflicht in Deutschland darf keine unendliche Geschichte werden. Das würde die tierschutzgerechte Geflügelhaltung in unserem Lande zerstören.“
Erschwerend komme hinzu, dass beispielsweise in Belgien und den Niederlanden die Stallpflicht zum 1. Mai aufgehoben wird, von dort also weiterhin Freilandprodukte auf den Markt kommen. Dr. Priesmeier plädiert daher für regionale Risikoanalysen ein: „Es gibt auch in Deutschland Regionen, in denen bisher trotz intensivem Monitorings kein Fall von Vogelgrippe nachgewiesen ist, beispielsweise die Region Weser-Ems /Westfalen. Es wäre in meinen Augen vernünftig, hier die Freilandhaltung zuzulassen.“
Als einen möglichen Weg, Tierschutz und Seuchenbekämpfung unter einen Hut zu bringen, sieht der Tierarzt und Politiker aus dem niedersächsischen Dassel-Markoldendorf Schutzimpfungen: „Das Friedrich-Loeffler-Institut untersucht derzeit drei am Markt befindliche Impfstoffe auf Ihre Wirksamkeit. Insbesondere soll herausgefunden werden, ob diese die Ausscheidung von Feldvirus wirksam verhindern können. Auch muss es möglich sein, durch einen schnellen und kostengünstigen Test geimpfte Tiere von infizierten zu entscheiden.“ Dr. Priesmeier appellierte an die Verantwortlichen in Staat und Privatwirtschaft, entsprechende Entwicklungen zügig voranzutreiben. „Ich bin optimistisch, dass es gemeinsam gelingen wird, die Vogelgrippe wirksam einzudämmen, ohne die Tiere bis zum Sankt Nimmerleinstag wegzusperren.“
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