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Freitag, 18. Mai 2012
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29112004_northeim_projekt_kleinLandkreis Northeim ein mögliches Vorbild für den Rest der Republik

29.11.2004.Landwirte leisten viel für die Gesellschaft. Neben der Versorgung mit hochwertigen und sicheren Nahrungsmittel ist hier vor allem die Pflege der jahrhundertealten Kulturlandschaft zu nennen. Doch wie kann dieser Einsatz für die Allgemeinheit angemessen entlohnt werden?
Wegweisend könnte ein Modellprojekt sein, das Wissenschaftler der Universität Göttingen entwickelt haben und seit diesem Jahr erstmals praktisch im Landkreis Northeim erproben. Das Projekt fand große Resonanz beim Bundestagsabgeordneten Dr. Wilhelm Priesmeier. Daher lud er die Göttinger Forscher nach Berlin ein, um ihre Ergebnisse und Forschungsperspektiven im Reichstag vor zahlreichen Abgeordneten und Mitarbeitern vorzustellen.
Zunächst skizzierten Prof. Dr. Rainer Marggraf und Dr. des. Elke Bertke den Grundgedanken, auf dem alles weitere beruht: „Im Rahmen der Agrarmarktordnungen der EU fließen beträchtliche Transferzahlungen in die Landwirtschaft. Umweltpolitisch begründete Transferzahlungen nehmen zur Zeit nur einen untergeordneten Stellenwert ein. Zudem bietet das System der Agrarumweltprogramme keinen Anreiz für die Landwirte, definierbare ökologische Ziele zu erreichen und hierfür Eigeninitiative zu entwickeln. Fehlallokationen und Mitnahmeeffekte entstehen in beträchtlichem Umfang. Nicht selten bleiben die Programme ohne den beabsichtigten ökologischen Erfolg.“

An diesem Punkt setzt nun das „Northeim Projekt“ an. Ziel ist es, für klar beschriebene ökologische Leistungen einen Markt zu schaffen. Die Entlohnung richtet sich nach Angebot und Nachfrage. In der Praxis stellt sich dies in der ersten Projektphase wie folgt dar: Ein Beirat bestimmt, welche ökologischen Leistungen gewünscht werden und schreibt diese wie beispielsweise ein öffentliches Bauvorhaben aus – Landwirte legen Angebote vor und können den Zuschlag erhalten. Im konkreten Falle war eine klar überprüfbare Vielfalt von Kräuterarten, gestaffelt in drei Kategorien.
Denkbar ist ein solches Projekt nur, wenn alle Beteiligten in das System integriert sind: Im federführenden Beirat sind Politik und Verwaltung ebenso vertreten wie Vertreter der wichtigsten Naturschutzverbände, der Landwirtschaft und der Kirche als größtem Landbesitzer. Auch der Beirat war bei der Präsentation vertreten: Für die Landwirte sprachen Willi Teutsch vom Landvolk Northeim und sein Göttinger Kollege Achim Hübner, den Landkreis vertrat der stellvertretende Landrat Johannes Klett Drechsel.

Wie auch die Wissenschaftler konnten alle die letztgenannten vor den zum Teil skeptischen Volksvertretern von durchweg positiven Erfahrungen berichten. So erzählte Teutsch, dass ihn die große Resonanz schon bei den ersten  Informationsveranstaltungen sehr überrascht habe. Auch Klett-Drechsel freute sich, dass die in Kreisen der Landwirtschaft oftmals vorsichtige Haltung gegenüber Umweltprogrammen in diesem Falle nicht zu spüren gewesen sei. Übereinstimmend waren die Gäste aus Südniedersachsen der Meinung, dass sie auch weiterhin zusammenarbeiten und das „Northeim-Projekt“ vorantreiben wollen.
Voraussetzung dafür ist allerdings, dass auch in den kommenden Jahren die Finanzierung gesichert ist. Dr. Priesmeier erklärte abschließend zu dieser nicht ganz unwesentlichen Frage mit verhaltenem Optimismus: „Ich denke, dass die heutige Präsentation wichtig war, um bei meinen Kolleginnen und Kollegen Interesse zu wecken. Ich denke, dass es uns gelingen sollte, die Fortführung dieses Modellprojektes zu sichern, das in meinen Augen ein Vorbild für viele andere Landkreise sein kann.“
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